Bericht über die China-Reise des Passat Chores vom 14. bis 27.10.2006
Verfasst von Hartmut
und Eberhard
Fischermänn, Fischermänn! – So ähnlich hört es sich
an, wenn ein Chinese „sehr geehrte Damen und Herren“ sagt, und so möchte
ich meinen Bericht beginnen. Dieser Bericht soll dem Leser Mut machen, China,
das „Land der Mitte“, zu besuchen, und er soll einen Einblick geben, wie die
Reise des Passat Chores in China verlief. Der Bericht kann und soll kein Aufsatz
über die alte und neue Geschichte und Kultur Chinas sein und er kann und soll
nicht umfassend über die Sehenswürdigkeiten informieren, die wir auf der Reise
besucht haben. All das finden Sie viel besser in Spezialbüchern, Reiseführern
und im Internet. Das China, das wir erlebten, ist im Grunde unbeschreiblich;
schon am zweiten Tage konnte ich die Erlebnisse nur noch mit Mühe zurückverfolgen.
Ich versuche nun, dennoch alles auf die Reihe zu bringen.
Anreise
Das war ein Tag, Samstag, der 14. Oktober 2006! Aufstehen um 3 Uhr, um 4:30 Uhr startet der Bus mit 43 Sängern ab Bahnhof Lübeck nach Frankfurt. Dr. Jörg öffnet im Bus seine Ambulanz und verabreicht jedem Patienten eine Spritze mit speziell für den Passat Chor gebrauter Mixtur; ich hörte etwas wie Heroin oder Heparin oder Strychnin. Schwester Winnie assistiert ihm dabei. Um 15 Uhr fliegen wir ab Frankfurt nach Peking und der Sonntag kommt uns 6 Stunden entgegen. Nach etwa 9 Stunden Flug landen wir gegen 6:00 Uhr in Peking. In Deutschland ist es zu diesem Zeitpunkt Mitternacht. Die Spritze und der Flug sind allen gut bekommen. Wir sind unserem Doc dankbar.
Peking
Was macht der Passat Chor um 6:00 Uhr in Peking? Die Hotelzimmer sind erst am Nachmittag fertig! Also besteigen wir einen Bus und besichtigen schon mal Tempel; die sind berühmt in Peking. Ein uns bekannter Herr steigt in den Bus: Herr Bäcker Lehn aus Travemünde, besser gesagt aus Peking, und heißt uns herzlich willkommen. Wir werden ihn noch häufiger sehen. Eine weitere Person steigt hinzu: Eine Chinesin, Frau Jin – die Schreibweisen von chinesischen Namen sind ungewiss, denn chinesische Schriftzeichen kann ich nicht. Jin oder Xin heißt „Gold“, also Frau Gold, und sie begrüßt uns mit „Meine Damen und Herren“; wir schauen uns um; wo sind die Damen? Und den ersten Lacher hat sie auf ihrer Seite, ein gutes Zeichen für die Reise! Wir nennen sie fortan „Goldi“ und sie wird auf der gesamten Reise unsere Begleiterin sein. Und Li steigt ein, der Assistent von Goldi während der Tage in Peking. Er stellt sich vor und nennt sich mit zweitem Namen Stefan. Auch er begrüßt uns mit „Meine Damen und Herren“, also nennen wir ihn Steffi. Unseren Bus steuert „der zweitbeste Fahrer Pekings – der beste liegt im Krankenhaus“.
Nun kann es los gehen: „Attacke!“, Lis Schlachtruf, und wir betreten den Tempel des Konfuzius; er lebte 500 Jahre vor Christus. Um seine Bücher vor Vernichtung zu retten, finden wir hier große Steinstelen, in die seine Bücher und damit sicherlich auch seine Sprüche eingemeißelt sind; hier drei Beispiele:
1. "Selbst
einer großen Armee kann man den Führer rauben, aber nicht einmal einem
einfachen Mann seinen Willen."
2. "Mach'
Dir keine Sorgen darüber, dass die Menschen Dich nicht kennen, sondern darüber,
dass Du sie nicht kennst."
3. "Der
Edle strebt nach Harmonie, nicht nach Gleichheit. Der Gemeine strebt nach
Gleichheit, nicht nach Harmonie."
(Ja, die Harmonie! Die hat uns auf der Reise oft beschäftigt, denn kein Tempel wurde besichtigt, ohne vorher „die Harmonie zu besuchen“.) Zur Zeit des Konfuzius schrieb man Chinesisch von oben nach unten und bestätigte dabei durch Kopfnicken: Konfuzius hat Recht, er hat Recht, er hat Recht! Li sagt, die Deutschen schreiben von links nach rechts; sie sind immer skeptisch wegen der Nein-Bewegung des Kopfes beim Lesen. Danach geht es weiter in den Lama-Tempel und wir werden schon ein bisschen müde bei den Ausführungen über den Lamaismus. Schön ist es, dass der dicke Bauch des Buddha viel Platz für die Sorgen und Nöte der Menschen hat. Viele Jugendliche sehen wir betend Buddha mit dem Rauch ihrer Räucherstäbchen ehren.
Goldi erzählt uns viel während der Busfahrt. China hat 1,3 Milliarden Menschen, daher ist man in China nie allein. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander. Vielleicht sind etwa 1% der Chinesen sehr reich; das sind immerhin 13 Millionen, die vorwiegend in den Städten wohnen. Nun gehen wir noch chinesisch essen und fallen um 13 Uhr todmüde in die Betten. Das war ein langer „Tag“!
Am späten Nachmittag dieses Sonntags fahren wir noch zum Pekingenten-Essen. Goldi hat sich in der Zeit geirrt und singt uns mit schöner Stimme ein chinesisches Volkslied als Entschuldigung. Nun sind wir alle pünktlich; sonst müssen wir auch vorsingen! Weiter werden wir mit Informationen versorgt, denn wir fahren mit dem Bus: Deutschland ist auf Chinesisch „das Land der Tugend“ und unmöglich auszusprechen. Mit den Namen hat es so seine Besonderheiten: BMW heißt „baoma“, „das Schatzpferd“; Mercedes Benz heißt „ben chi“, übersetzt: „das Auto saust“ und Coca Cola heißt „kekonkere“, übersetzt: „wenn man Durst hat, trinkt man es und dann freut man sich sehr“. Wenn eine Übersetzung ins Chinesische den Klang und auch gleichzeitig die Bedeutung des Wortes herausstellt, dann ist es eine gute Übersetzung: Beispiel: „Jens“ würde man ins Chinesische „jen ze“, „der Hübsche, Auffällige“, übersetzen.
Goldi erzählt über die Situation der Frauen und der
Minderheiten mit ihren Sonderrechten, der Wanderarbeiter und ihre Ausführungen
gipfeln in der Feststellung: „In China gibt es mehr Hühner als Enten; deshalb
sind die Hühner auch billiger als die Enten“*).
Das Pekingenten-Essen war fantastisch und was es dazu gab, auch. Wir aßen wieder chinesisch - viele aßen mit Stäbchen!
*) Mit Hühnern und Enten
meint sie ....fragen Sie einen Mitgereisten!
Peking -
Himmelstempel - Kaiserpalast - Konzert
Heute, am 16.10., geht es mit dem Bus zum Himmelstempel. Wieder gibt es Infos von Li und Goldi: Tempel sind in China nicht nur mehrere Gebäude sondern meist große Anlagen auch mit Grün dazwischen. Vor dem Kaiserpalast werden wir viele Menschengruppen sehen, die Tai Chi praktizieren, Ballübungen machen, Kalligrafie auf den Boden malen, tanzen, Schach oder Anderes spielen, jonglieren oder sich nur mit Freunden treffen. Goldi bringt uns ein wenig Chinesisch bei: „nie hau“ ist die Begrüßung wie „wie geht´s?“ „ma, ma, ma, ma, ma“ heißt bei richtigem Tonfall „Die Mutter schimpft mit dem Pferd von Herrn Ma“. Und die Aussprache des „r“ lernen die Studenten durch Gurgeln und dann sprechen sie den Satz: „Drei Lehrerinnen reparieren drei Fahrräder“. Goldi (hat Germanistik studiert) spricht ein schönes, gerolltes „r“! Wir hören viele Geschichten über die Kaiser und Goldi übt mit uns ein chinesisches Lied: liang zeh lao hu - liang zeh lao hu - pao de kuai - pao de kuai usw., die Melodie werden Sie wieder erkennen, wenn wir es bei einem Auftritt demnächst einmal singen.
Ich glaube, der Bericht wird recht lang. Mögen Sie noch lesen?
Wir halten zunächst vor dem Himmelstempel, besuchen zunächst wieder die „Halle der inneren Harmonie“ (nur, wer es nötig hat!) und wandern durch die schöne Anlage, schauen in die Gebäude und stellen uns schließlich auf einen runden Marmorstein, der die Mitte des Himmels angibt.
Auf dem „Platz zum Tor des himmlischen Friedens“ wird ein Gruppenfoto vom Chor gemacht, im Hintergrund das Tor mit dem Mao-Bild und den Aufschriften „Es lebe die Volksrepublik China“ und „Es lebe die Zusammenarbeit aller Völker der Erde“.
Wir gehen durch das Tor zum Kaiserpalast. Vor dem eigentlichen Eingang sehen wir die angekündigten Gruppen mit ihren Übungen und holen uns Anregungen für unsere Chorproben.
Der Kaiserpalast ist ein riesiges Gelände mit Gebäuden. Es sollen so viele Räume sein, dass jemand 27 Jahre alt werden muss, um von Geburt an jede Nacht in einem anderen Raum zu schlafen. Hallen, Paläste und Plätze reihen sich auf einer Mittelachse aneinander und die Gebäude rechts und links sind geradezu unüberschaubar. Aus einem Reiseführer zitiere ich ausnahmsweise die Namen all der Hallen: Hallen der „Höchsten Harmonie“, der „Vollkommenen Harmonie“, der „Erhaltung der Harmonie“, durch das „Tor der Himmlischen Reinheit“ zur „Halle der Berührung von Himmel und Erde“ und zu den Palästen der „Himmlischen Reinheit“ und der „Irdischen Ruhe“, na, ja, usw.. Nach der „Harmonie“ kommen offensichtlich die „Reinheit“ und schließlich die „Ruhe“. Ein großartiges Freiluftmuseum!
Am Abend
geben wir unser Konzert in der deutschen Botschaftsschule, wo unsere neuen
Poloshirts erstmals zur Geltung kommen. Anschließend bewirtet uns Herr Bäcker
Lehn mit deutschem Essen (Kartoffelbrei, Rotkohl, Frikadellen, Kuchen u.a.).
Ich
möchte ihm an dieser Stelle herzlich danken. (Anmerkung: Wenn ich das Mittags-
oder Abendessen nicht besonders erwähne, essen wir immer chinesisch, d.h. wir
steuern mit unserem Bus ein geeignetes Restaurant an, setzen uns an Tische zu je
ca. 8 Personen. Die Tische haben mittig große, runde, drehbare Glasplatten, auf
denen bereits ein paar Vorspeisen stehen. Uns werden Tee und Bier gereicht und
wir beginnen schon mal - je nach Hunger mit Stäbchen oder Gabeln - mit den
Vorspeisen. Dann werden nacheinander frisch zubereitete Speisen auf die
Drehscheibe gestellt und wir greifen zu: Verschiedene Gemüse, verschiedene
Fleischsorten, Fisch, Suppe, Reis, manchmal Gebäck, immer Melone – meist ca.
12 Gerichte! Goldi sagt: „Es könnte sein, dass wir nicht alleine essen.“
Die Erkenntnis: „In China ist man nie allein“, wegen der vielen Menschen -
kann man auch so schreiben: „In China isst man nie allein“, denn vielen
anderen Touristengruppen ging es so wie uns.) Für den Chor gilt übrigens auch:
Im Chor ist/isst man nie allein!
Peking – Große
Mauer - Konzert
Vom Bus bis zur Seilbahn schlängeln wir uns durch Verkäufer
und Verkaufsstände, wir hätten uns aber auch auf einem Kamel zur Seilbahn
tragen lassen können. Alles ist touristisch erschlossen. Oben genießen wir
einen traumhaften Ausblick auf die sich über Bergkämme schlängelnde Mauer.
Wir wandern auf
und ab,
treffen uns zu einem Gruppenfoto und singen ein schönes „Oh Shenandoah“.
Während der Busfahrten bekommen wir wieder Informationen, diesmal über Mao (Goldi sagt: 70% waren gut, 30% waren schlecht, was er gemacht hat), Familienpolitik, Todesstrafe und Menschenrechte, die E. anmahnt. Goldi meint, in China müssen zuerst die ganz elementaren Menschenrechte erfüllt werden, nämlich für jeden genug zu essen, warme Kleidung und ein Dach über dem Kopf. China ist nicht Peking & Shanghai, China ist größer als ganz Europa und erfordert daher kleine Schritte in der Entwicklung.
Abends singen wir in der Deutschen Botschaft ein schönes Konzert. Auf den Chor, die Combo, die Solisten, den Conferencier, aber auch auf unseren Chorleiter Wolfhard ist Verlass und jeder gibt sein Bestes. Der Funke springt über, wie wir es uns wünschen, und wir werden kaum von der Bühne gelassen. Anschließend gibt es Schnittchen. Herr Bäcker Lehn und der Botschafter sind die Gastgeber.
Auf der Rückfahrt erzählt Goldi wieder ohne Pause von ihrer Ehe, ihrem 12 jährigen Sohn und seiner Zahnspange, der Schule, den Frauen, die abnehmen möchten und eine helle Haut haben wollen, und welche Worte die Frauen von ihren Männern gerne hören. Bis auf die Hautfarbe gibt es zwischen Chinesen und Deutschen offensichtlich kaum Unterschiede.
Peking –
Sommerpalast – Flug nach Xi´an - Massage
Heute, am 18.10., können wir etwas länger schlafen. Um 9:45 Uhr geben wir die Koffer ab, denn nach der Besichtigung des Sommerpalastes fliegen wir nach Xi´an. (Genauer läuft das mit den Koffern jeweils so: Wir stellen die gepackten Koffer pünktlich morgens vor unsere Zimmertür und finden sie im neuen Hotel jeweils in unseren Zimmern wieder vor, 1000km oder so entfernt! Es klappt hervorragend!) Vor Abfahrt des Busses kontrolliert Goldi, ob jeder auch seine Telefongebühren bezahlt hat. J. muss sogar die Kekse bezahlen, obwohl er nur die Packung geöffnet und keine Kekse gegessen hat! Und der Pass darf nicht im Koffer sein!
Also, auf zum Sommerpalast! „Lolex, Lolex“, „Gucci, Gucci“, „Watch, watch“, „Hallo, Hallo“, „Montblanc, Montblanc“ werden uns noch lange in den Ohren klingen! W. nimmt seine „Rolex“ und läuft selbst einer Reisegruppe entgegen: „Lolex, Lolex! 1 Dollar!“ Ein herzliches Lachen auf allen Seiten. Nun endlich zum Sommerpalast! Dieser ist wieder kein Palast, sondern eine Gartenanlage (290 ha!) mit einem riesigen, künstlichen, flachen See, auf dem größere Boote Touristen umherfahren, mit Tempeln, Pavillons, Wandelgängen und Freizeitanlagen. Li, unser Pekingführer sagte: „Wir treffen uns 12.30h am Marmorschiff, um halb eins am Marmorschiff; wo man nicht weiter kommt nach rechts um 12:30 Uhr, dort am Ende des Ganges rechts am weißen Marmorschiff, also in 50 Minuten um 12:30h am Marmorschiff.“ Li hat Erfahrung. Dennoch: H. und F. fehlen, aber nur H. wird vermisst! Was sagt uns das? Goldi sucht H.. So lange ist noch nie eine Frau hinter H. hergelaufen!
(Ich schreibe immer noch am 18.10.; vielleicht wird der Bericht doch zu lang?)
Nun ein Erlebnis-Höhepunkt am eigenen Körper! Zunächst werden wir ganz harmlos durch einen Garten geführt und hören einen Vortrag über Heilpflanzen, z.B. die speziellen Rosen gegen Menstruationsbeschwerden (R. nennt sie spontan „Monatsrosen“), Pflanzenextrakte zur Vermeidung von Frühgeburten - alles wichtige Themen für uns -, aber auch gegen hohen Blutdruck und Toleranzbäuche. Dann besuchen wir die „Harmonie“ und bekommen einen Tee in ähnlicher Farbe. Junge Damen und Herren huschen herein mit Holzbottichen, füllen sie mit heißem Wasser und Heilkräutern (wahrscheinlich gegen Fußpilz) und hinein mit unseren Füßen! Während der Einweichphase hören wir einen Vortrag über TCM, Traditionelle Chinesische Medizin, Ying & Yang, hell & dunkel, heiß & kalt, männlich & weiblich, Durchfall & Verstopfung, und über das Puls-Fühlen mit drei Fingern und Zunge anschauen zum Erkennen vieler Krankheiten, was nur sehr erfahrene Ärzte können.
Nun geht
es los: Unsere Füße werden auf ein Handtuch (hat es heute schon andere
Touristen gesehen?) gelegt, dieses auf einen Hocker und der erste Fuß kommt
dran: Mit erstaunlicher Kraft wird nun an Fuß, Zehen und Wade geknetet,
geklopft, gelockert, gedreht, gezogen, geschlackert, gekratzt, gedrückt, mit
leichtem Schmerz ertragen und - genossen! ... Nun schreiten mit ernster Miene
erfahrene Ärzte herein und bieten sich an, Diagnosen zu stellen und Therapie zu
verschreiben. Einer setzt sich mir gegenüber und fühlt meinen Puls - mit drei
Fingern (!) erst rechts, dann links. Ich strecke ihm die Zunge raus. Er schaut
mit ernster Miene. Eine Dolmetscherin fragt nach eventuellen Erkrankungen. Ich
sagte: „Leichte Rückenprobleme“. Sie übersetzt. Er erwidert, ich sollte
etwas zur Knochenstärkung einnehmen und kreuzt auf einem Blatt an, welche Kräuter
für mich in Frage kämen, und ich könne auch mit Karte bezahlen. Ich zitiere
ein weiteres Gespräch: Arzt: „Trinken Sie Wein?“ Sangesfreund A:
„Nein.“ Sangesfreund B: „Sag doch, dass du Bier trinkst!“ Sangesfreund
A: „Wenn er nicht richtig fragt!“ Eine Rheumadecke wurde nicht angeboten.
Ein Gedicht:
Die
Fußsohlen-Reflexzonen-Massage
- gereimt von Hartmut auf der Chinareise
des Passat Chores
Kommt mit euren Kannen
Heißen Wassers und schenkt ein
In die hölznen Wannen!
Kommt herein, Ihr Knetemeister,
weckt nun unsre Lebensgeister!
Trank den gelben Tee brav aus
Macht sich bereit für die Massage
denn lang warn wir nicht zu Haus.
- Entschuldigung -
Schuhe aus und Socken runter
Und der Heiner wird ganz munter
Sie ´fasst sein Hosenbein am Rand
Schiebt es hoch bis Knies Kehle
Und verteilt nun ihre Öle
Auf der Haut mit zarter Hand.
In ihm steigen die Gefühle
verschönen
sie die Zweisamkeit.
Sie schlägt und kratzt nun seine Sohle
Klopft ihm auf sein Schienenbein
Heiner, lass das Schreien sein!
Denn es dient dir doch zum Wohle!
Nun ergreift sie seine Wade
Zieht und dreht an jeder Zehe
Und – dem Heiner tut es wehe!
Auf der Fahrt zum Flugplatz hören wir wieder viele Informationen: Xi´an ist eine mittelgroße Stadt; sie hat nur 8 Millionen Einwohner. Wegen der Ausgrabungen mussten die Bauern große Landstriche verlassen. Entschädigt wurden sie durch Wohnungen in der Nähe und sie durften touristische Verkaufsstände betreiben.
Xi´an -
Terrakottaarmee
Bauern
fanden am 29.3.1974 beim Graben eines Brunnens einige tönerne Bruchstücke und
bronzene Pfeilspitzen. Ein Bewässerungsfachmann kam, inspizierte den Brunnen
und erkannte, dass die Fundstücke Reste einer früheren Kultur sind. Das Graben
wurde eingestellt und vom Fund die örtliche Verwaltung informiert. Leute vom
Kulturclub wurden hingeschickt. Diese fanden Bruchstücke von großen tönernen
Statuen und sammelten alles, was die Bauern gefunden hatten. Daraus
restaurierten sie drei Figuren für den Club. Gleichzeitig besuchte ein Reporter
seine Familie in der Gegend. Weil seine Frau in dem Club arbeitete, sah er die
drei Figuren und ging damit an die Öffentlichkeit. 1978 erschien ein erster
Artikel in der „National Geographic“. Die Terrakotta Armee wurde
weltbekannt.
Gestern beim abendlichen Bier wurde beschlossen, heute Abend im Foyer des Hotels zu singen. Also singen wir.
Xi´an –
Wildganspagode – Stadtmauer Jade – Flug nach Hangzhou
Frisch geht es in den neuen Tag (20.10.): Der Besuch der großen Wildganspagode und der Spaziergang auf der Stadtmauer von Xi´an. Bei der Wildganspagode lassen wir uns chinesische Stempel anfertigen mit unserem Namen und seiner Übersetzung als Mitbringsel oder zum Stempeln unter Klassenarbeiten. Auf der Stadtmauer warten schon die Rikschafahrer auf uns. „Ich lasse mich doch nicht von den armen Menschen hier herumkutschieren!“ „Warum nicht? Das ist deren Beruf. Sie verdienen ihr Geld damit!“ Und schon sausten einige von uns die Mauer entlang. In der Innenstadt besichtigen wir den Glockenturm und schlendern durch das muslimische Viertel mit Markt und Moschee. R. schaut sich nach neuer Chorkleidung um; die gibt es hier billig. Er müsste aber alles in XXL oder noch größer kaufen, denn die Chinesen sind noch kleiner als unsere Kleinsten; für diese endlich eine Genugtuung! Vorteil: Wir schauen bei Besichtigungen über sie hinweg!
In der Jadeschleiferei hören wir von den verschiedenen Härtegraden, der Färbung und dem Schliff, die den Wert von Jade ausmachen. Jade ist im weiteren Sinne ein Silikat, wie es die Formel besagt: Ca2(Mg, Fe)5[(OH, F)|Si4O11]2 (Nephrit). Jeder bekommt die Möglichkeit, etwas Schönes aus Jade zu kaufen - für wen auch immer. Jade hat in China eine 7000 Jahre alte Tradition und man schreibt Jade auch medizinische Wirkung zu: Jeder sollte ein Stückchen Jade bei sich tragen!
Wir essen am Flugplatz, suchen Gate 18, eilen zu Gate 8 und fliegen ab Gate 9 nach Hangzhou. Auf der Busfahrt zum Hotel stellt uns Goldi ihren Mann vor - ebenso lustig, ebenso gebildet, aber dünn (als Kind eines Bauern musste er hungern). Er war gerade mal kurz in Hamburg als Dolmetscher. Goldi erzählte uns, wie sie zum Germanistik-Studium kam. Es lag an ihrem Zeugnis; ihr blieb nichts Anderes übrig. Sie bereut es keineswegs, denn sie hätte uns sonst nicht kennen gelernt.
Die Hotels unterscheiden sich im Eingangsbereich, aber die Zimmer gleichen sich weitgehend. So haben R. und ich nie Streit, wer welches Bett diesmal nimmt. Nur das Toilettenpapier hängt mal steuerbord und mal backbord. Aber das war auch kein Problem.
Hangzouh – Fahrt
nach Shaoxing
21.10.: Heute Nacht um 1:05 Uhr fällt der große Spiegel in unserem Zimmer von der Wand und zerschellt an einem Marmorvorsprung. Vor dem Frühstück melde ich es an der Rezeption; nach dem Frühstück sehen wir kein Splitterchen mehr. Abgesehen davon haben wir auf der Reise hervorragende Hotels.
Interessanter ist aber nun unser Programm. Hangzhou ist die kleine „Paradiesstadt“ laut Marco Polo; das war aber lange her. Klein, ja, 3,5 Millionen, auch schön, aber sicherlich anders als früher. Hangzhou pflegt seit 20 Jahren Beziehungen mit Schleswig-Holstein. Frau Dessaul aus Stockelsdorf steigt hinzu und begleitet uns die nächsten Tage. Sie pflegt die Kontakte zwischen Lübeck und Shaoxing und ist wesentlich am Zustandekommen unserer Reise beteiligt.
Wir fahren mit dem Bus nach Shaoxing und Goldi erzählt wieder lebhaft und viel z.B. über die Vermarktung von Tempeln durch eine Tempelgemeinde: Wenn der Kunde genug „spendet“, bekommt er ein Pauschalangebot: Er darf direkt vor dem Jadebuddah beten und in einem Luxushotel übernachten. Diese Gemeinde besitzt zwei Hochhäuser und ihr Oberpriester fährt zwei Luxusautos, Mercedes und BMW. Vielleicht werde ich auch Buddhist. Goldi erzählt von ihrer Telefonehe (das eine erlaubte Kind haben sie schon, einen Sohn; Söhne sind wichtiger als Mädchen, da der Sohn in der eigenen Familie bleibt und die alten Eltern später versorgt), über die Christen in China und über Kalligrafie und Malerei. Ihr sprudelnder Vortrag geht weiter über Kampfer und Zimtblütenbäume, Klima gestern und heute, Heizung, Kleidung, Badehäuser mit Hühnern und Enten (!), Fahren in Linienbussen mit modernstem Fahrkartensystem, den Kaiserkanal, das Besteck, das ihr Mann in Hamburg gekauft hat, mit dem er vor seinen Freunden angibt, Baumschulen für die Straßenbäume an den vielen neuen Straßen, dass nur 10% der Fläche Chinas beackert werden kann - ich schreibe all die Stichworte auf auch für die, die im Bus längst eingeschlafen sind - , es geht weiter um Smog, um Süßwasserperlenzucht, na, alles kann ich so schnell nicht mitschreiben.
Schließlich gibt Goldi wichtige Hinweise zum heutigen Tagesprogramm: Wir werden uns im Orchideengarten von Shaoxing mit Kalligrafie und chinesischer Malerei befassen, und sie erklärt, dass ein schönes Bild stets auch einen passenden, schön gestalteten Spruch enthält und mit einem vom Künstler extra für dieses Bild angefertigten Stempel abgestempelt wird mit roter Stempelfarbe. Chinesische Kaiser waren immer gebildet und sammelten wertvolle Bilder dieser Art und schrieben selbst auf den Rand des Bildes eigene Kommentare hinzu - in schöner Kalligrafie, versteht sich.
Im
Orchideengarten sehen wir zwei Schriftzeichen; das eine bedeutet „Gans“ und
ist vom Vater, das andere bedeutet „Teich“ und ist vom Sohn gestaltet. Das
vom Vater hatte durchaus etwas von einer Gans und gefiel mir besser. Im
Orchideengarten gibt es einen Zick-Zack-Fluss. Bei jeder Biegung saß ein
Dichter. In den Oberlauf wurden Reiswein-Schälchen auf das Wasser gelegt, und
wenn das Schälchen bei einem Dichter an einem Grashalm stecken blieb, musste er
den Wein austrinken und spontan einen weisen Spruch erfinden. So entstanden 26
Sprüche und Gedichte, die zu einem Buch zusammengefasst werden sollten. Einer
der Dichter schrieb ein so gelungenes Vorwort zu diesem Buch, dass er im nüchternen
Zustand kaum glauben konnte, dass er es verfasst hatte. Dieses Vorwort ist nun
so berühmt, dass weitere Dichter es kommentiert haben und wir sehen, dass es
inzwischen 5m Länge erreicht hat. Ich versuche mich dort auch mit einem Gedicht
über die Fußsohlen-Reflexzonen-Massage, aber Goldi hebt die Situation wieder
auf das nötige Niveau und rezitiert ein schönes chinesisches Gedicht erst in
ihrer Sprache, dann in der Übersetzung von Günter Eich.
Nun geht es an den Ostsee. Wir verteilen uns auf kleine Gondeln und schippern den See entlang. Der Steuermann rudert mit der linken Hand und dem rechten Fuß, eine tolle Technik!
Nun löst Eberhard mich ab:
Sonntag, d. 22. Oktober 2006 (Der 9. Tag unserer Reise)
Hangzhou:
Musik,
die auf traditionellen Instrumenten (Bambusflöte, zweisaitige Kniegeige,
liegende Harfe und einem gitarrenähnlichen Zupfinstrument )gespielt wird. Diese
Musik ist recht harmonisch und melodisch. Besonders die Atmosphäre in diesem
Pavillon gefällt uns allen.
„Bella Block“ überreicht als Dank des Passat Chores ein schönes Trinkgeld.
Im Garten sehen wir uns natürlich auch die Höhle des “Gelben Drachen“ an.
Rote Fäden gehen von seinem Kopf aus, die Jungen und Mädchen wie von
Schicksalshand gefügt verkuppeln sollen. Anschließend machen wir einen Ausflug
zum Lingying-Tempel (Tempel der Seelenzuflucht) und dem 168 m hohen „Herbeigeflogenen
Berg“. Den Tempel soll ein indischer Mönch im Jahre 326 gegründet haben, als
er einen „hierhin geflogenen Berg“ aus seiner Heimat zu erkennen glaubte. Im
Park befinden sich mehrere Steinreliefs mit buddhistischen Motiven aus dem10.
bis 12. Jahrhundert. Besonders populär ist ein um 1100 entstandener Buddha, der
sich sehr üppig präsentiert und 33.6 Meter hoch ist. Die Ausführungen zum
Buddhismus sind so umfangreich, dass einige von uns schon Buddhisten werden
wollen, um nur schnell den endlosen Erklärungen zu entkommen.
Am Nachmittag setzt Regen ein, so dass die Bootsfahrt auf dem berühmten Westsee etwas getrübt ist. Da fast alle Sänger des Passat Chores Optimisten sind, haben die wenigsten (die Pessimisten oder die Realisten ) einen Regenschirm mitgenommen. Aber die chinesischen Händler freut es; denn im Nu haben sich fast vierzig Männer bei ihnen zu je einem Euro das Stück einen Schirm gekauft. Während der Bootsfahrt lernen wir den Westsee kennen, der zu den am häufigsten gemalten und beschriebenen Landschaften Chinas gehört. Von drei Seiten ist er von Bergen umgeben, die sich im Wasser spiegeln, wenn nicht gerade der Nebel eine geheimnisvolle Stimmung entstehen lässt. Diese Stimmung haben fast alle voll genossen, einige haben sie auch nur im Traume wahr genommen, weil sie sanft entschlummert waren. Nach der Bootstour pfeifen wir alle aus dem letzten Loch. Ein findiger chinesischer Junge verkauft uns Vogelpfeifen, das Stück für zehn Cent. Vor der Abfahrt des Busses gibt der Passat Chor ein vielstimmiges Pfeifkonzert. Die Besichtigung der Teeplantage und des Teedorfes von Meijiawu beschließen unser Tagesprogramm. Goldi gibt uns auch zu den Themen Teeproduktion und Teezubereitung allerhand Informationen, so dass viele Sangesfreunde zu Hause mit ihrem Wissen bei ihren Liebsten glänzen können. In dieser Teeplantage wird übrigens der berühmte Drachenbrunnentee angebaut. 125 Gramm verkauft uns Goldi für 15 Euro. Ein stolzer Preis, den man aber wirklich schmecken kann. Abends ist dann wieder der Massagesalon des Wellnesscenters im Hotel bis weit nach Mitternacht geöffnet. Viele Sangesfreunde werden von Goldi telefonisch vermittelt, so dass sie dann pünktlich ihre vom Tage „geschundenen Körper“ zärtlichen Händen von Masseurinnen anvertrauen können. Eine einstündige Ganz-Körper-Massage gibt es schon für 10 bis 12 Euro. Einige sind so angetan von den Massagen, dass sie sich jeden Abend massieren lassen.
Montag, der 23. Oktober 2006 (Der 10.Tag unserer Reise)
Horst und Eberhard liegen krank im Bett. „Montezumas
Rache“ hat sie erwischt. Den Bericht für diesen Tag schreibt deswegen wieder
Hartmut:
Shaoxing – Konzert
Es ist Montag, der 23.10., und wir werden heute vom Bürgermeister Zhang Jinru der Stadt empfangen! Warum? Weil Shaoxing gerne mit Lübeck eine Partnerschaft eingehen möchte. Lübeck würde ja auch gerne mit Shaoxing enger kooperieren, aber manch ein Politiker in Lübeck ziert sich noch. Shaoxing ist eine kleine Kreisstadt und hat 4,3 Millionen Einwohner (über die Bewohnerzahlen chinesischer Städte gibt es differierende Angaben).
Wir stehen in einem Raum mit Infotafeln über die vielen Partnerschaften in aller Welt, auch Lübeck hat dort schon solch eine Tafel. Beide Städte haben 2004 bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet.
Nun geht es in den Rathaussaal vorbei an etlichen wichtigen
Männern im dunklen Anzug, die uns mit Handschlag begrüßen. Peter, unser 1.
Sprecher, setzt sich in einen Sessel am Kopfende des Raumes. Daneben nimmt der Bürgermeister
Platz. Zwischen ihnen ein großes Blumengesteck. Rechts und links je ein
Mikrophon. Hinter den Sesseln, fast versteckt, je eine Dolmetscherin. Irgendwie
kommt mir diese Situation bekannt vor...
Frau Merkel trifft Herrn
Putin?
Nun werden Begrüßungsreden gehalten und ein Dokument von Bürgermeister Bernd
Sachse und Stadtpräsident Peter Sünnewold dem Herrn Zhang überreicht; in dem
Dokument steht, ich zitiere: „... dass mit dem Besuch der 43 offiziellen
musikalischen Botschafter ein kultureller Brückenschlag vollzogen werde, der in
beiderseitigem Interesse die Wege zueinander ebnen wird!...“ Ist das nicht schön
ausgedrückt? Klaus Berndt, Vorsitzender der Travemünder Liedertafel, tritt
nach vorne und überreicht Rotspon, Marzipan mit einer Chor-CD und „Die
Buddenbrooks“ in chinesischer Sprache. Alle geben eine gute Figur ab! Drei
Presseleute schreiben eifrig mit und eine Fernsehkamera verfolgt alles. Wir
bedanken uns für den Empfang mit einen kleinen Konzert.
Der Schriftsteller Lu Xun lebte von 1881 bis 1936 und in Shaoxing gibt es eine Gedenkstätte, die wir besuchen. Er war ein sozialkritischer Schriftsteller und begründete in China die moderne Literatur. Sein Denken und Schreiben richtete sich gegen das alte, konfuzianische Wertesystem. So haben Lübeck und Shaoxing ihre berühmten Schriftsteller, ein „kultureller Brückenschlag“ für eine Städtepartnerschaft, über den sicherlich an anderer Stelle noch zu sprechen sein wird.
Bei „Yellow Submarine“ mit den
Rufen, den Seifenblasen und dem Abtauchen flippen die Zuhörer allerdings total
aus! Am Ende unseres Programms kommt der Hochschulchor mit auf die Bühne und
wir singen gemeinsam das Lied „liang zeh lao hu -
liang zeh lao hu - pao de kuai - pao de kuai usw.“ in perfektem Chinesisch.
Ich hoffe, wir nehmen es in unser Repertoire auf! Stellt es euch vor: Nun folgte
auf Wunsch des tobenden Publikums ein gemeinsames „Yellow Submarine“! Und
die Mädchen tauchen in Wolken von Seifenblasen gemeinsam mit uns unter! Ich
denke, das ist der „kulturelle Brückenschlag“!
Wir alle sind super drauf, der Chor, die Combo, die Solisten, unser Conferencier
und auch unser „neuer“ Chorleiter Wolfhard Lippke, der heiter und gelöst
mit körperlichem Einsatz und Einbeziehung des Publikums beide Chöre
gleichzeitig leitet. Er ahnt, dass er einen Chor aus jungen Chinesen und
besonders Chinesinnen gemischt mit meist weniger jungen Passat Chor Sängern,
dass er einen solch ungewöhnlichen Chor wohl kaum jemals wieder vor sich haben
würde. Ihm sei an dieser Stelle gedankt, dass er auf unsere Chorreise mitkam!
Ebenso sei unserem nicht ganz so neuen Akkordeonisten Hans-Peter Hoffmann
gedankt, der durch seine Mitreise sozusagen unser 1. Akkordeon rettete.
Ullis Traum von einer Chinareise des Passat Chores geht an dieser Stelle
in Erfüllung. Wir vertreten Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland in
Shaoxing! Und wir haben das toll gemacht!
Mit einem sehr gediegenen chinesischen Abendessen von höchster Qualität in einem besonderen Raum des ersten Hotels am Platze dankt der Bürgermeister für unser Kommen. Er hat wirklich alle Register gezogen und uns sehr persönlich betreut. Geld spielte bei diesem Empfang wohl keine Rolle. Bei einer Partnerschaft mit Lübeck könnte Shaoxing vielleicht die Rolltreppen im Lübecker Bahnhof sponsern oder zumindest die jährliche Weihnachtsbeleuchtung.
*) Der Ausdruck „kuhäugige
Langnase“ ist kein Schimpfwort, und ich habe Dieter gefragt, ob ich das so
schreiben darf; ich darf!
Jetzt schreiben
Eberhard und Hartmut gemeinsam; ja, auch das geht!
Hangzhou - Shanghai
Heute, am 24.10., können wir uns kurz fassen, denn der erste Teil läuft wieder wie gewohnt ab: Wir besuchen das Büro der WTSH (Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein) mit Begrüßung, Überreichen der Botschafter-Urkunden, Reden, Geschenken und Gesang. Übrigens besteht seit über 20 Jahren eine Partnerschaft zwischen der Provinz Hangzhou und unserem Bundesland, die von der WTSH betreut wird. Hartmut „kontrolliert“ überraschend den Büroraum der Firma „Schlauch-Handels-Produktion, SHP“ seines Schwagers in Ratekau! Viele Firmen aus Schleswig-Holstein pflegen von hier aus ihre Kontakte.
Wir fahren mit dem Bus nach Shanghai (16 Mill. Einwohner + 4 Mill. Wanderarbeiter). Goldis Vorträge lass ich wieder aus. Ein Piepen sagt dem Busfahrer, dass eine Pause für ihn fällig wird. Aber zunächst geht es zum Transrapid auf der Halbinsel Pudong. Mit ihm rasen wir 40 Sekunden lang mit 431 km/h parallel zur Autobahn und die Landschaft huscht an uns vorbei. 7 Minuten und 20 Sekunden dauert die gesamte Fahrt. Viele Touristen fahren mit dem Transrapid, oft nur hin und her.
Anschließend geht es mit unserem Bus nur mühsam in der Rushhour trotz 4- bis 6-spuriger Straßen voran. Wir bekommen einen Vorgeschmack auf diesen „Wahnsinnsverkehr“, der in Shanghai mitunter auf fünf Ebenen läuft.
Endlich
haben wir die Brücke über den Huangpu passiert. Vor unseren Augen bieten sich
herrliche Ausblicke auf die phantastische Skyline von Pudong. Über 3000 Hochhäuser
oder Wolkenkratzer sind hier in den letzten zehn Jahren von namhaften
Architekten aus aller Welt konzipiert und gebaut worden. In der neuen Altstadt,
die total restauriert worden ist, können wir den eigentlichen Charakter einer
chinesischen Stadt von früher noch erahnen. Touristen drängen sich dort und
wir auch. Jeder geht einmal über die Zick-Zack-Brücke (die Dämonen können
nur geradeaus!) oder kauft eine Perlenkette für die Liebste. Hartmut kauft
einen schwebenden Magnetkreisel. Die Verkäufer sind tüchtig. Das alte Shanghai
muss auch wunderschön gewesen sein! Wir essen in einem teuren Kaufhaus, in dem
vorwiegend Japaner einkaufen; die Preise sind stark überhöht „aus Rache an
den Japanern wegen des verlorenen Krieges“.
Goldi hat wieder alles und alle im Griff: 10 Minuten vor Vorstellungsbeginn treffen wir vor dem Staatszirkus Shanghai ein. Eine Gruppe Chinesen jubelt uns zu; haben sie uns im Fernsehen gesehen und wieder erkannt? Anmutige und kraftvolle Akrobatik mit Tüchern, Tellern, an Seilen usw. wechseln geschickt ab. Hartmut gefällt besonders der kräftige Mann, der mit seiner großen Porzellanvase jongliert. Eberhard schwärmt für die atemberaubende Nummer: 7 Männer und eine Frau jagen sich halsbrecherisch auf Motorrädern in einer relativ kleinen Gitterkugel!
Vieles auf der Reise überwältigte uns und wir dachten häufig: „Das ist der absolute Höhepunkt der Reise!“ Doch nun hören wir wieder Rufe: „Spitze!“ „Unglaublich!“ „Dass ich das noch erleben durfte!“ Anderen verschlägt es die Sprache; der Grund dafür kann aber auch die Klimaanlage des Busses sein.
Hartmut meldet sich für den nächsten Tag von der Gruppe ab, was ohne Weiteres möglich ist und geht seiner Wege, was auch ohne Weiteres möglich ist. Nun beschreibt Eberhard die letzten Tage:
Mittwoch, der 25. Oktober 2006 ( Der 12. Tag unserer
Reise )
Suzhou und Shanghai
Wohin
wir auch kommen, immer schallt es uns entgegen: „Lolex, Lolex, Wotsch, Wotsch,
Montblanc o.ä.“: Es sind die fliegenden Händler, die uns Rolexuhren, Füllfederhalter
und vieles andere mehr zu Spottpreisen anbieten und verkaufen wollen. Häufig
gelingt ihnen das. Bei Preisen für 10 Euro für eine Rolex können die
wenigsten von uns widerstehen, auch wenn wir wissen, dass uns Imitate angeboten
werden. Einige Uhren geben dann auch schon am nächsten Tag ihren Geist auf.
Trotzdem kaufen sich einige zehn Uhren und mehr und auch anderen Schnickschnack
in großen Mengen. Das Handeln und Feilschen mit den Händlern läuft meistens
wie ein kleines Spiel ab und macht auch Spaß. Unsere besten Feilscher sind Rolf
K. und Ulli F., die besonders günstige Preise aushandeln. Rolf kauft fast alles
für je zwei Dollar. Unsere Warenkönige sind Rolf K. und B. und Jürgen W.. Sie
haben zum Teil so viel gekauft und gehortet, dass ihre Koffer schon bei den
Inlandflügen ein Übergewicht von sieben Kilogramm und mehr aufweisen. Goldi
steht auf den Airports an der Waage und schreibt die „Übeltäter“
auf. Sie warnt vor Konsequenzen. Am nächsten Morgen tritt überraschend Jürgen
W. an das Mikrofon im Bus. Er teilt den verdutzten Sangesfreunden mit, dass er
seinen Koffer nicht mehr schließen könne und deswegen alle Süßigkeiten für
seine Lieben daheim an den Passat Chor verschenken möchte. Doch dann hat er
noch eine bessere Idee. In Anbetracht der „Toleranzbäuche“ einiger Männer
möchte er alle Süßigkeiten Goldi
schenken, die unter dem Beifall des Chores dankend annimmt und Jürgen damit von
seinen großen Sorgen befreit.
Am
Nachmittag besichtigen wir eine Seidenspinnerei und das Wasserdorf Tongli. In
der Seidenfabrik erhalten wir auf einem Rundgang viele Informationen zur
Gewinnung und Verarbeitung von Seide. Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde in
China Seide produziert. Heute beginnt der Produktionsprozess mit dem
Plantagenanbau des Maulbeerbaumes. Mit seinen Blättern werden die Seidenraupen
rund um die Uhr gefüttert, bis sie sich in weiße Kokons einspinnen. Die in den
Kokons eingesponnenen Puppen werden mit heißem Dampf abgetötet, die Kokons
dann in heißes Wasser gelegt und maschinell gebürstet, bis sich die Fäden
entwirren. Ein Kokon enthält einen bis zu 3000 m langen Faden, doch nur 300 bis
800 m dieses Fadens können für die Seidenproduktion verwendet werden.
Arbeiterinnen, die diese Vorarbeiten leisten, verdienen zirka 150 Euro
monatlich. Im Verkaufsraum tun wir Männer uns schwer, bei der Fülle des
Angebots etwas Schönes und Vernünftiges zu finden und zu kaufen.
Hier fehlen
uns unsere Frauen, die sicherlich bei diesen tollen Angeboten richtig
zugeschlagen hätten. Aber schließlich finden alle etwas, so dass gute Umsätze
gemacht werden. Weiter geht es mit dem Bus nach Tongli. Hier lernen wir das
andere Gesicht Chinas kennen. Im Wasserdorf Tongli scheint die Zeit stehen
geblieben zu sein. Die gesamte Anlage des Dorfes mit Steinbrücken, Häusern und
Geräten stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Menschen leben hier in sehr
kleinen, ärmlichen Behausungen direkt am Wasser, die einen schlecht gepflegten
Eindruck machen. Wir vermuten, dass es so ähnlich wohl auch in den meisten Dörfern
Chinas noch heute aussehen wird. Aber auch hier hat man die Chancen erkannt, die
der Tourismus bietet. Den Chinesen ist auch bewusst geworden, welche Schätze
ihre alten Dörfer und Kulturdenkmäler darstellen. Mittlerweile hat auch die
UNESCO Tongli und andere Wasserdörfer zum Weltkulturerbe erklärt. Jetzt sind
die Chinesen dabei, diese Dörfer, die einmalig sind in China, zu restaurieren
und für den Tourismus noch stärker zu erschließen.
Abends findet unser zweites Pekingente-Essen in Shanghai statt. Man muss immer wieder über den großen Appetit und Durst des Passat Chores staunen. Zehn Enten und viele Beilagen werden verzehrt. Reiswein und Rotwein gibt es satt, so dass die Stimmung an vielen Tischen sehr gelockert und fröhlich ist. Einige beginnen zu singen und geben dem chinesischen Publikum ein paar Trinklieder zum Besten. Wir sind guter Laune, als dann um 20.30 Uhr unsere Lichterfahrt in Shanghai beginnt. In der Nähe des Jinmao Towers, der 420 Meter hoch ist, entscheidet Goldi, mit uns auf diesen Tower zu fahren. Sie hat erkannt, dass der Andrang am Lift nicht zu groß und damit die Wartezeit nicht zu lang ist. Wir haben uns kaum angestellt, da sind wir auch schon dran. Mit einem Großraum-Lift „jagen“ wir in 45 Sekunden in den 88. Stock. Wir steigen aus und ..... bekommen vor Staunen und Begeisterung nicht mehr zu. Was uns hier geboten wird, ist einfach einmalig, super, grandios, phantastisch!!! Die 18-Millionen-Metropole Shanghai liegt im Lichterglanz unter uns zum Greifen nah. Wunderschön illuminierte Hochhäuser in verschiedensten Farben, Formen und Höhen erfreuen uns. So weit das Auge reicht, erblicken wir in allen Himmelsrichtungen ein Lichtermeer von Häusern und Straßen, das sich in der Unendlichkeit des Alls zu verlieren scheint. Der Abschied fällt uns allen sehr schwer. Auch der Rundgang am Fernsehturm Oriental Pearl und auf dem Neuen Bund mit sehenswerten Ausblicken auf den Hafen und den Alten Bund machen diesen Abend zu einem der schönsten unserer Reise.
Donnerstag, d. 26.Oktober 2006 (Der 13. Tag unserer
Reise)
Wir ändern
unser Programm, weil heute ein ganz wichtiger Auftritt bei Draeger Medical
stattfindet. Endlich können wir mal ausschlafen! Endlich haben wir ein wenig
Zeit zum Verschnaufen, Besinnen und
zum Verarbeiten der vielen schönen Erlebnisse. Kurz vor 12 Uhr fahren wir zum
Mittagessen ins Zentrum. Anschließend geht es gut erholt und gestärkt zum
Open-Air-Konzert für Draeger. Der Generalmanager, Herr Syhr, hat uns allen ein
persönliches Schreiben geschickt, in dem er uns begrüßt und herzlich in
Shanghai willkommen heißt. Unser Konzert findet in einem Park statt. Die
Mitarbeiter/innen veranstalten hier schon ab 15 Uhr sportliche Spiele nach alter
Shanghaier Art. Wir vergnügen und betätigen uns an den im Park aufgestellten
Fitness-Geräten.
Endlich beginnt das Konzert mit der Darbietung einer bekannten
chinesischen Damen-Trommler-Gruppe. Danach begrüßt Herr Syhr alle Anwesenden
mit herzlichen Worten und überreicht unserem ersten Sprecher
Peter L. Geschenke. Peter bedankt sich und verliest dann die Grußbotschaft
der Hansestadt Lübeck, in der der Passat Chor als musikalischer Botschafter
unserer Heimatstadt herausgestellt wird. Die Übergabe von Geschenken beschließt
das Begrüßungszeremoniell. Nun ist der Passat Chor an der Reihe. Die
Moderation hat Peter L. für den stimmlich verhinderten Moderator Roloff Sp.
übernommen.
Die Übersetzung der Moderation leistet in hervorragender Weise Frau Dessaul aus
Lübeck. Schnell haben wir uns auch hier auf die besonderen Verhältnisse
eingestellt und singen unsere schönen Lieder von Sehnsucht, Wind und Meer. Der
zweite Teil des Konzerts findet dann leider im Nieselregen statt. Trotz der
etwas widrigen Umstände liefert der Chor unter der Leitung von Wolfhart L. ein
sehr gutes Konzert ab. Mit viel Beifall bedankt sich das überwiegend
chinesische Publikum. Dann wird das Barbecue eröffnet.Die
Angestellten von Medical Draeger strömen an das Büffet und die vielen Köche
müssen sich sputen, neues Grillgut nachzuliefern. Dann wird ein Tich nur für
den Chor eingerichtet und auch wir können uns an
den Köstlichkeiten laben und im
Freien gemütlich feiern. Herr Syhr bedankt sich vor der Abreise des Chores im
Bus persönlich mit kleinen Präsenten und lädt uns zur Eröffnung des neuen
Draeger Medical Centers 2008 nach Shanghai ein.
Auf der Rückfahrt ins Hotel bedankt sich Peter im Namen des Chores mit einem Geschenk bei unserem immer freundlichen und hilfsbereiten Busfahrer. Auch Frau Dessaul gilt unser Dank für ihren großen Einsatz bei der Vorbereitung der China-Reise. Mit Lobeshymnen wird unsere Goldi geradezu überschüttet. Sie hat es fertig gebracht, 43 Männer des Chores mit ihrem Charme für sich zu gewinnen und sie auch zu bändigen. Sogar der Sangesfreund Rolf wurde von ihr gezähmt und diszipliniert. Mit ihrer humorvollen Art eroberte sie die Herzen aller im Nu. Mit Geschenken wurde auch Goldi bedacht. Ein ganz besonderer Dank gilt Doc Jörg, der sich auf dieser Reise auch nachts um die Kranken in rührender Weise gekümmert hat.
Freitag, d. 27. Oktober 2006 (Der 14. Tag der Reise)
Um fünf Uhr sollen wir telefonisch geweckt werden. Aber schon um 3.30 Uhr stehen einige über unserem Zimmer im 17. Stock auf und absolvieren ein Dauerduschen, so dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Als Klaus B. und ich dann in unser Bad kommen, sehen wir die Bescherung: Sturzbäche von Wasser bahnen sich ihren Weg durch die Decke. Das waren die „Dauerduscher“ von heute nacht. Um 6.15 Uhr ist die Abfahrt zum Regenbogen-Airport in Shanghai. Leider haben wir keinen Direktflug nach Frankfurt bekommen, so dass wir zunächst nach Peking (Beijing) fliegen, um von dort unsere Rückreise anzutreten. Bei der Sicherheitskontrolle in Shanghai gibt es große Aufregung. Unser Akkordeonspieler Werner F. wird zur Einzelkontrolle gebeten. Was ist los? Die Security vermutet ein Maschinengewehr in Werners Koffer. Man höre und staune! Werner ein Terrorist? Schließlich klärt sich die Angelegenheit auf: Werner transportiert einen metallnen Notenständer in seinem Koffer. Auf dem Hinflug und den anderen Flügen war dieses „Maschinengewehr“ nicht entdeckt worden. Auch Klaus Bei. muss seinen Koffer öffnen. Vermutet wird eine Handgranate. Auch hier erweist sich die „Granate“ als harmlos. Man findet nur einen Deoroller neben einem Kamm.
Trotz Verspätungen und einiger Wirren kommen wir schließlich alle nach langer Rückfahrt glücklich und beladen mit überwältigenden Erlebnissen in Lübeck an.
Gemeinsames
Schlusswort
Wir danken unserem Sangesfreund Ulli Thiele im Namen aller Teilnehmer der Reise. Ulli hat die Idee gehabt nach China zu reisen und er hat diese Idee zielstrebig zum großartigen Erfolg geführt. Wir danken auch Sangesfreund Hans-Peter Harder, der bei der Organisation der Reise entscheidend mitgeholfen hat. Wir haben die Hansestadt Lübeck in Hangzhou und Shaoxing würdig vertreten. Und nicht zuletzt lernten wir den reichen Osten Chinas kennen. Wir haben die uralte Kultur bestaunt, aber auch die dynamische Gegenwart! Das in vielem kleinkarierte Deutschland lag uns vorübergehend sehr fern und mancher Maßstab wurde zurecht gerückt. Diese Reise bleibt unvergessen!
Ulli, wir danken
Dir!
Und wir danken ganz
herzlich unseren Sponsoren, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre!