Ich durfte am 21.9.2009 beim Chirurgenkongress im Klinikum
(vor meinen 5 chirurgischen Chefarztkollegen und einigen Lokalpolitikern)
einen Vortrag halten über "Familie und
Karriere in der Medizin - ein Widerspruch für Frauen?".
Das war natürlich ein schöner Spaß mit der Kernthese, dass den
Chirurgen aufgrund ihrer (heldenhaften) Arbeitseinstellung die Männer
weglaufen und sie jetzt nur noch Nachwuchs in Form von Ausländern (aus
dem Osten) oder Frauen bekommen, wobei die Frauen immerhin als das
kleinere Übel angesehen werden. Ich hatte nette Zuhörer. Sie bewundern Jasmin:![]() |
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Julia am11.09.04
Julia wechselte am 01.12.04 als Chefärztin an das Klinikum Augsburg -
Dermatologie.
http://www.klinikum-augsburg.de/19/191911,,,0.php
(auch mit Bild!)
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/teletips/hausarzt/76333/
http://www.aeksh.de/shae/200110/h01a069b.htm
http://www.derma.uni-luebeck.de/jw.htm
(immer noch)
Julia
Welzel , verheiratet mit Rüdiger
Pein , als Habilitantin in Dermatologie (07.05.01) und Julia in der Klinik
und Julia als dreifache Mutter
/ Mutter und Mutter
(Jasmin Rebecca 04.02.02/3450/52)
Hier ihre Rede als Habilitantin in Dermatologie am 07.05.01
Magnifizenz, Spectabilis, meine Damen und Herren,
Warum ist das Thema Haarausfall immer aktuell und ruft oft allgemeines Interesse hervor? Wir alle haben Haarausfall und verlieren täglich ungefähr 100 Kopfhaare. Warum sind wir dann nicht alle kahlköpfig? Um das zu verstehen, muss man die Besonderheiten des Haarwachstums kennen.
Haare sind lange Keratinfäden, die ein Ausscheidungsprodukt spezialisierter Epidermiszellen sind. Sie wachsen allerdings anders als Nägel nicht permanent, sondern zyklisch. Es gibt eine Wachstumsphase, die sogenannte Anagenphase, die über Jahre anhält, und eine Ruhephase, die Telogenphase, die ungefähr 3 Monate dauert. Danach fällt das Haar aus, der Haarfollikel tritt dann wieder in die Anagenphase ein. Am Kopfhaar befinden sich im Normalfall 85% der Haare in der Anagenphase und 15% in der Telogenphase. Dieses Verhältnis ist bei den Körperhaaren anders, hier befinden sich erheblich mehr Haare in der Telogenphase. Das erklärt auch, warum die Kopfhaare erheblich länger wachsen können als die Körperhaare, denn die erreichbare Haarlänge hängt von der Dauer der Anagenphase ab. Die Haare reagieren auch nur in der Wachstumsphase empfindlich auf Störungen. Daher fallen die Kopfhaare bei entsprechenden Noxen viel schneller und stärker aus als die Körperhaare. Die Haarfollikel treten diesen Zyklus im Laufe des Lebens 10 bis 15 mal an.
Bei Tieren gibt es eine Mauserung, wo das Fell schlagartig ausfällt. Bei Menschen ist das anders. Hier wachsen die Haare asynchron, das heißt, dass sich benachbarte Haarfollikel in unterschiedlichen Phasen befinden. Daher fällt es nicht auf, wenn einzelne Haare ausfallen und sich Ausfall und Wiederwachsen die Waage halten. Erst wenn über eine längere Zeit deutlich mehr als 100 Haare täglich ausfallen, wird das Effluvium - der Haarausfall - subjektiv wahrgenommen. Objektiv spricht man von einer Alopezie - einer Haarlosigkeit - wenn mehr als 60% der Haare in einem Areal ausgegangen sind. Das entspricht bei ungefähr 100.000 Kopfhaaren immerhin 60.000 ausgefallenen Haaren. Effluvium ist also der Vorgang des Haarausfalls, Alopezie der Zustand der Haarlosigkeit.
Hat der Haarausfall oder die Haarlosigkeit einen Krankheitswert? Wozu brauchen wir überhaupt unsere Kopfhaare? Die physiologische Bedeutung ist gering. Unsere Behaarung bietet lediglich einen geringen Schutz vor Wärmeverlust, Sonneneinstrahlung und mechanischer Belastung der Haut. Die Funktion der Kopfbehaarung aus kosmetisch-ästhetischen Gesichtspunkten ist allerdings hoch einzuschätzen. Haarlosigkeit ist ein Attribut des Alters und wird allenfalls noch mit Weisheit assoziiert, beides Eigenschaften, die in unserer heutigen Gesellschaft an Bedeutung verloren haben. Ein volles Haar wird hingegen verbunden mit Jugend, Vitalität und Potenz. Die biblische Geschichte von Samson und Delilah erzählt, dass die große Kraft Samsons auf seiner Haarpracht basiert. Als er geschoren wird, verliert er seine Macht und kann gefangengenommen werden. Erst als die Haare wieder nachwachsen, kann er seine Feinde besiegen. Kahle Köpfe werden mit Militär, Gefängnis und Kriminalität assoziiert, das Skalpieren ist die extremste Form der Unterwerfung. Das Kopfhaar ist daher ein wichtiger Baustein in der Wahrnehmung der sozialen Stellung. Es gibt kaum jemanden, der wirklich mit seinem Kopfhaar zufrieden ist. In Deutschland werden von einem 4-Personen-Haushalt im Monat immerhin 100 DM für die Haarkosmetik ausgegeben. Subjektiv leiden in Deutschland 40% der Männer und 44% der Frauen unter Haarausfall.
Es gibt eine große Bandbreite physiologischer Faktoren, die das Haarwachstum beeinflussen. Das sind im Wesentlichen Genetik, Alter und Hormone. Hiervon muss man Erkrankungen des Haarfollikels, Hauterkrankungen mit Haarausfall und Haarverlust als Hinweis auf eine Allgemeinerkrankung oder andere Störung abgrenzen.
Wie kann man Haarausfall diagnostizieren . Neben der genauen Erhebung der Anamnese und des klinischen Befundes sollte die tägliche Anzahl ausgefallener Haare über einen längeren Zeitraum quantifiziert werden. 5 Tage nach der letzten Haarwäsche kann, bevorzugt aus zwei Lokalisationen, an ausgerissenen Haaren ein Haarwurzelstatus erhoben werden, in dem die prozentuale Verteilung der Haarzyklusstadien ermittelt werden kann und der damit eine prognostische Einschätzung des weiteren Verlaufs zulässt. Gegebenenfalls kann an einer Biopsie nach einer zugrundeliegenden Hauterkrankung und nach einer Vernarbung geschaut werden.
Was gibt es für Formen des Haarausfalls? Man unterscheidet zwischen lokalisierten und diffusen sowie zwischen nichtvernarbenden und vernarbenden Alopezien.
Vernarbende umschriebene Alopezien treten nach traumatischer Zerstörung des Haarbulbus, aber auch im Rahmen einiger Hauterkrankungen auf. Der Haarfollikel geht unter, wenn die Stammzellregion zerstört wird, die sich in Höhe der Insertion des Musculus arector pili befindet. Zu einer vernarbenden Alopezie führen beispielsweise der Lupus erythematodes und der Lichen ruber follicularis. Beide zeigen histologisch an der Haut eine ausgeprägte junktionale Entzündungsreaktion mit Atrophie, die bei Befall der Kopfhaut zu einer Zerstörung des Keimepithels mit irreversiblem Haarverlust führt. Klinisch sieht man kleine, runde, atrophische Herde ohne Follikelöffnungen, gelegentlich ist noch ein entzündlicher Randsaum zu erkennen.
Eine vernarbende diffuse Alopezie ist die Folliculitis decalvans capillitii. Hier zeigen die Follikel eine chronische bakterielle Besiedelung, meist mit Staphylokokkus aureus. Diese führt zu einer Entzündungsreaktion mit Follikelruptur und Fremdkörperreaktion. Diskutiert wird eine Immunreaktion auf bakterielle Antigene.
Bei vernarbenden Alopezien steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, um das Entstehen neuer Herde zu verhindern. Beim Lupus erythematodes und beim Lichen planopilaris kommen beispielsweise intraläsionale Steroidkristallsuspensionen oder eine systemische immunsupprimierende oder -modulierende Therapie zum Einsatz, die Folliculitis decalvans erfordert eine langdauernde antibiotische Therapie. Zur kosmetischen Behandlung des narbigen Endzustandes stehen dann nur operative Therapien wie Haartransplantationen oder Exzision der Herde und natürlich der künstliche Haarersatz zur Verfügung.
Eine nichtvernarbende lokalisierte Alopezie ist die Alopecia areata. Sie ist mit einer Inzidenz von 1% eine häufige Erkrankung. Bei der Alopecia areata treten plötzlich kreisrunde haarlose Bezirke auf, in denen im Frühstadium noch dystrophische Reste der Haarschäfte in den Follikeln sichtbar sind. Später kommt es zu einer Follikelatrophie, aber nicht zu einer Vernarbung. Die Alopecia areata kann rasch progredient zu einem vollständigen Verlust aller Kopf- und Körperhaare führen, zeigt aber auch eine große Tendenz zur Spontanremission. Die Ätiologie ist unbekannt. Man findet gelegentlich eine Assoziation mit Autoimmunerkrankungen und mit Atopie. Histologisch finden sich dichte lymphozytäre Infiltrate um den Haarbulbus herum. Es konnte gezeigt werden, dass es sich um eine selektive Proliferation eines T-Zell-Klons handelt. Interleukin-1 scheint bei der Induktion dieses Haarausfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Daher wird eine Autoimmun-Ätiopathogenese der Alopecia areata als Reaktion auf ein bisher unbekanntes Antigen postuliert. Die Therapiemöglichkeiten sind eingeschränkt. Corticosteroide als Immunsuppressiva zeigen in hohen Dosen ein Ansprechen, können aber aufgrund der Nebenwirkungen nicht langfristig eingesetzt werden. Am erfolgreichsten ist die topische Immuntherapie mit Kontaktallergenen. Zum Einsatz kommen Substanzen wie Diphenylcyclopropenon und Quadratsäuredibutylester, die obligat kontaktsensibilisierend sind. Unter der Lokaltherapie entsteht eine allergische Kontaktdermatitis, unter der es zu einem Wiederwachsen der Haare kommt. Der genaue Mechanismus ist noch unklar, aber es wird diskutiert, ob Interleukin-10 und Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist, welche in der Spätphase der Kontaktdermatitis sezerniert werden, hemmende Einflüsse auf das T-Zell-Infiltrat der Alopecia areata haben. Es handelt sich offenbar um eine Toleranzinduktion . Problematisch ist, dass die Therapie lediglich eine morbostatische Wirkung hat und daher in größeren Abständen wiederholt werden muss, um ein dauerhaftes Nachwachsen der Haare zu erreichen.
Bei der nichtvernarbenden diffusen Alopezie handelt es sich in der Regel um ein telogenes Effluvium. Anagenhaare fallen normalerweise nicht aus. Nur bei einer massiven toxischen Schädigung, beispielsweise bei einer Vergiftung mit Thallium oder bei einer hochdosierten Chemotherapie kann es zu einer sofortigen Dystrophie des Follikels mit resultierendem Haarverlust führen. Bei Kindern gibt es ein seltenes Krankheitsbild, das Loses-Anagen-Haar-Syndrom, bei dem die Anagenhaare aufgrund einer regressiven Veränderung der inneren Wurzelscheide nicht fest in den Follikeln sitzen und bereits mit leichtem Zug schmerzlos epilierbar sind. Dieses Syndrom geht mit einer Alopezie einher, führt aber zu einer spontanen Rückbildung in der Adoleszenz.
Ein telogenes Effluvium kann viele Ursachen haben. Wichtig ist die genaue Erhebung der Anamnese, die sich insbesondere auf einen Zeitraum von 3 Monaten vor Beginn des Haarausfalls konzentrieren sollte, denn zu diesem Zeitpunkt sind vermehrt Haarfollikel in das Telogenstadium eingetreten, die jetzt, 3 Monate später, ausfallen. Der Haarwachstumszyklus wird von Hormonen reguliert. Saisonale Schwankungen mit einem vermehrten Haarausfall im Herbst, entsprechend einem Fellwechsel, sind auch beim Menschen noch nachweisbar. Den größten Einfluss auf das Haarwachstum nehmen die Geschlechtshormone. Dabei bewirken Östrogene eine Verlängerung der Anagenphase am Kopfhaar. Dieser Effekt macht sich besonders bemerkbar in der Schwangerschaft, wo der physiologische Haarausfall sistiert, und nach der Entbindung, wo aufgrund des Abfalls der Östrogene viele Follikel synchron in die Telogenphase eintreten und es drei Monate später zu einem deutlichen Haarausfall kommt. Die männlichen Geschlechtshormone wirken unterschiedlich auf die Haarfollikel. Es gibt androgensensitive und -nichtsensitive Follikel. Bei den androgensensitiven Follikeln gibt es Unterschiede im Androgenmetabolismus und in der Dichte der Androgenrezeptoren. Diese führen dazu, dass Androgene beispielsweise im Bartbereich ein Haarwachstum indizieren, während sie am Kopfhaar gegenteilig wirken. Dort führen sie bei einer genetischen Prädisposition dazu, dass sich die kräftigen Terminalhaare in zarte Vellushaare zurückbilden. Bei Männern kommt es zur klassischen androgenetischen Alopezie mit einem Haarausfall in den Geheimratsecken und am Hinterkopf, während bei Frauen zuerst die Haarfollikel in der Scheitelregion betroffen sind.
Vor einigen Jahren bestand die einzige Therapiemöglichkeit einer androgenetischen Alopezie in der Haartransplantation. Hierbei werden Follikel aus der nichtandrogensensitiven Hinterkopfregion nach frontal verpflanzt. Da die Haare eine Donordominanz zeigen, also ihr genetisches Muster auch bei Verpflanzung nicht ändern, fallen diese verpflanzten Haare bei Androgeneinwirkung nicht aus. Das kosmetische Ergebnis ist in der Regel zunächst gut, Probleme treten aber auf, wenn der Haarausfall weiter progredient ist und nachher auf einer Glatze nur noch die verpflanzen Büschel in den Geheimratsecken übrig bleiben.
Neue Erkenntnisse in der Biologie des Haarfollikels haben ebenso wie zufällige Beobachtungen von Therapienebenwirkungen zur Entwicklung von neuen Haarwuchsmitteln geführt. Bei der Regulation des Haarzyklus kommt dem Metabolismus des Androgens Dihydrotestosteron eine wichtige Rolle zu. Haarfollikel beinhalten das 5a-Reduktase Typ II Isoenzym, welches die Umwandlung von Testosteron zum aktiven Metaboliten Dihydrotestosteron katalysiert. Kastrierte Männer und Männer mit einem kongenitalen 5a-Reduktase Typ II-Mangel entwickeln trotz genetischer Prädisposition keine androgenetische Alopezie. Ebenso wurde beobachtet, dass sich bei Männern mit Prostatahyperplasie, die mit dem 5a-Reduktase-Inhibitor Finasterid behandelt wurden, eine androgenetische Alopezie bessert. Dieses Medikament ist seit einigen Jahren zur Therapie der androgenetischen Alopezie zugelassen. Zahlreiche klinische Studien haben gezeigt, dass die Progredienz der androgenetischen Alopezie gestoppt werden kann und die Glatzenbildung zu einem geringen Grade sogar reversibel ist. Allerdings ist eine Rückumwandlung von Vellus- zu Terminalhaaren nur bedingt möglich, so dass das Medikament vorbeugend und dauerhaft eingenommen werden muss. Nebenwirkungen in Form einer verminderten Libido traten nur bei unter 1% der Männer auf. Ein weiteres Medikament, welches nachweislich eine Wirkung auf die androgenetische Alopezie hat, ist das Minoxidil. Es führt zu einer Vergrößerung des Haarbulbus und zu einer verlängerten Anagenphase. Im Gegensatz zu Finasterid kann Minoxidil topisch und auch bei Frauen mit androgenetischer Alopezie angewendet werden. Der genaue zelluläre Mechanismus bei Minoxidil ist nicht bekannt. Die Wirkung ist etwas geringer als bei Finasterid.
Zusammenfassend gibt es verschiedene Erkrankungen mit Haarausfall, die eine spezifische dermatologische oder internistische Therapie erforderlich machen. Bei der häufigsten Form des Haarausfalls, der androgenetischen Alopezie, die fast alle, Männer wie Frauen, betrifft, war bisher die Haltung gegenüber Therapieoptionen nihilistisch. Diese Haltung ist aber aufgrund neuer therapeutischer Möglichkeiten mit nachgewiesener Wirksamkeit nicht mehr gerechtfertigt.
Nun wisst auch Ihr bescheid...